Das Statistische Bundesamt teilte in seiner Pressemitteilung Nr. N011 vom 13.März.2020 mit, dass deutschlandweit 1942 Krankenhäuser mit 497.200 Betten, davon 28.000 Intensivbetten existieren (Stand 2017). Umgerechnet auf die Bevölkerung sind das 6 Krankenhausbetten pro 1000 Einwohner*innen. Im Jahr 2017 zur Zeit der Erhebung lag die Auslastung im Schnitt je Krankenhaus bei 77,8% aller Betten. In der Intensivmedizin lag die Bettenauslastung bei 79%. Das heißt bei normaler medizinischer Betreuung waren die Krankenhäuser (privat wie öffentlich) zu mehr als drei Viertel belegt. Von den 1942 erfassten Krankenhäusern waren 29% in öffentlicher Hand, aber aufgrund ihrer meist größeren Kapazität steht fast jedes zweite Bett (48%) in einem öffentlichen KH. Die Zahl der KH-Beschäftigten betrug 1,24 Millionen, davon 15% ärztliches Personal.

Auf den ersten Blick stimmen diese Zahlen positiv, v.a. im Vergleich mit anderen Ländern.

Doch in der aktuellen Situation einer noch nicht kontrollierbaren Pandemie muss man sich die Datenlage genauer anschauen um die Wahrscheinlichkeit einer Überlastung des bestehenden medizinischen Versorgungssystems abschätzen zu können. Noch gibt es wenige exakte Daten aus Forschung und Fachwelt, daher haben wir uns bei den folgenden Beispielen an den Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) und publizierten Forschungsergebnissen orientiert und moderate Zahlen gewählt. Es gibt drei wichtige Faktoren: die Basisreproduktionszahl R0, die Mutationsrate des SARS-CoV-2 und die geographische Ausbreitung/Ballung von Infektionen.

Die Basisreproduktionszahl R0 beschreibt die Anzahl an Menschen, die von einer infektiösen Person durchschnittlich angesteckt werden, wenn keine Immunität in der Bevölkerung existiert. Um eine Infektionskrankheit zu bekämpfen oder ausrotten zu können muss R0 < 1 sein. Ist R0 = 1 so hat man eine konstante Zahl an Neuinfektionen und man spricht von einer Endemie. Dies Basisreproduktionszahl für COVID19 wird momentan auf 2,4 – 3,3 geschätzt. Vereinfacht gesagt, steckt eine SARS-CoV-2 positive Person 2 bis 3 nicht-infizierte Personen an unter der Annahme, dass niemand in der Bevölkerung immun ist. Wie viele Menschen müssten nun also immun werden/sein um COVID19 deutschlandweit zu bekämpfen?

Die zugrunde liegende Formel lautet: Rt = R0 * (100% – n)

Rt ist die Nettoreproduktionszahl und muss ≤ 1 werden. „n“ steht für den prozentualen Anteil der Bevölkerung mit Immunität gegen den Erreger. Diese Formel ist stark vereinfacht und schließt viele verschiedene Faktoren der Epidemiologie aus. Dies gilt zu beachten.
Für SARS-CoV-2 wird R0 mit 2,4 bis 3,3 angegeben. Ist R0 = 3, dann müssen 70% aller Deutschen eine Immunität besitzen, damit die Infektionszahlen konstant bzw. rückläufig werden. Bei R0 = 2 sind es immerhin noch 50% der deutschen Bevölkerung. Das sind 41,5 bis 58,1 Millionen Menschen! Noch gibt es aber keinen wirksamen Impfstoff. Immun ist also aller Wahrscheinlichkeit nach nur, wer selbst schon einmal infiziert war.

Experten des RKI haben verschiedene Beispielszenarien für die COVID19-Epidemie modelliert. (Quelle: an der Heiden M, Buchholz U: Modellierung von Beispielszenarien der SARS-CoV-2-Epidemie 2020 in Deutschland.| DOI 10.25646/6571.2) Da es noch keine verlässlichen Fallzahlen zum Anteil der Hospitalisierten, also im Krankenhaus behandelten Patienten, unter allen Erkrankten gibt haben wir uns an die Beispielzahlen dieser Modellierung orientiert. Nimmt man an, dass 4,5% aller Erkrankten im Krankenhaus versorgt werden müssen und zum Peak der Infektionswelle 7-10 Millionen Menschen gleichzeitig erkrankt sind, dann müssen zu dieser Zeit ca. 315.000 – 450.000 Menschen in einem Krankenhaus medizinisch versorgt werden.

Fast jedes freie verfügbare Krankenhausbett wäre also mit einem COVID19-Patienten belegt. Dazu kämen aber noch Patienten mit anderen dringendem Behandlungsbedarf, wie Schlaganfälle, Herzinfarkte, schwere Unfälle, Geburten, Palliativversorgung…

Eine Mammutaufgabe, bei der die Errichtung von Notlazaretten eine große Unterstützung und Entlastung sein kann und muss.